Am 06.08. marschierten ca. 700 Faschist_innen im Zuge ihres alljährlichen „Trauermarsches“ durch Bad Nenndorf. Die Bevölkerung des kleinen Städtchens feierte am Rande der Naziroute bunte Feste, um gegen diesen geschichtsrevisionistische Aufmarsch zu protestieren. Lokale wie auch hannoversche Zeitungen berichteten darüber. Nirgends erwähnt wurden die 150-200 Antifaschist_innen, die von der Polizei an ihrem Protest gehindert wurden. Der Polizeisprecher stellte sogar die Behauptung auf, es hätte keine Störungsversuche gegeben.
Wir waren ein breites Bündnis aus verschiedenen Gruppierungen, Parteien und Gewerkschaften. Unsere Anreise erfolgte mit Bussen, um möglichst nah an die Strecke der Faschos zu kommen, unser Ziel war es, den Aufmarsch zu stören, im besten Falle sogar zu verhindern. Doch wir kamen nicht weit. Ca. 150 Meter von der Bahnhofsstraße entfernt kreiste uns die Polizei ein und hielt uns fest. Es gab keine rechtliche Grundlage für diese Freiheitsberaubung, was der Polizei dann auch auffiel. Nun behaupteten sie, die Maßnahme sei kein Polizeikessel, denn es stünde uns frei, zu gehen. Dieses jedoch nur unter Auflagen, die für uns nicht akzeptabel waren. Wir machten Angebote, nahmen in Kauf, unter Polizeibegleitung zu der Kundgebung des DGB gebracht zu werden, was die Polizei uns versagte. Angekündigte Versorgungseinheiten wie mobile Toiletten wurden nicht geliefert, da wir offiziell in unserer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt waren. Ein Hohn angesichts der engen Polizeikette. Sie warfen uns vor, uns der polizeilichen Vorkontrolle entzogen zu haben, Angebote unsererseits, diese nun anonym nachzuholen wurden nicht angenommen. Die Staatsgewalt hatte sich in eine rechtliche Grauzone begeben. Und diese hielt sie sechs Stunden aufrecht!
Während dieser Zeit wurden wir fast ununterbrochen gefilmt, während wir friedlich blieben. Ziel der Polizei war es, sich bestimmte Personen rauszugreifen, die sie aufgrund stereotyper Einordnung ausgemacht hatten. Da wir unsere Genoss_innen nicht verraten wollten und uns der Repression nicht beugten, blieb ein großer Teil der Gruppe, während manche sich den Auflagen ergaben und sich in kleinen Grüppchen auf den Weg machten. Irgendwann hatte die Polizei diejenigen, die sie haben wollten und wir versuchten, nun auch unsere uneingeschränkte Bewegungsfreiheit zu nutzen. Weit gefehlt! Teilweise mussten die Demonstrant_innen noch über eine halbe Stunde warten, bis sie endlich gehen konnten. Nach sechs Stunden in der prallen Sonne angesichts einer Übermacht der Staatsgewalt waren viele demoralisiert. Die Polizei hatte erreicht, was sie wollte. Sie hatte die Störungsversuche durch uns unterbunden und sogar das Glück gehabt, dass niemand auf unser Schicksal aufmerksam geworden war, keine Presse berichtete über die Gegendemonstrant_innen, die an ihrem Protest gehindert wurden, weil sie einen anderen Weg gewählt hatten als das Bad Nenndorfer Bürger-Bündnis.


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