Am vergangenen Samstag fand im niedersächsischen Eschede erneut eine Demonstration gegen die anhaltenden Nazitreffen dort statt. Knapp 300 Menschen beteiligten sich an der vom DGB angemeldeten Bündnisdemonstration. Linksjugend [‚solid] Hannover war dabei.
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Zur „Wintersonnenwendfeier“ reisten knapp 200 Nazis aus Norddeutschland an. Um kurz vor 14 Uhr begann die Auftaktkundgebung, auf der zunächst der Anmelder der Demonstration alle Anwesenden begrüßte. Im Anschluss daran folgte ein Redebeitrag der auf die Hintergründe der Naziveranstaltungen und dem Treiben auf dem Hof vom Nazi Joachim Nahtz einging und zu weiterem antifaschistischen Widerstand in Eschede aufrief. Danach setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Der Demonstrationszug wurde angeführt von verschiedenen Bündnisteilnehmer_innen. Mensch sah dort Fahnen der VVN-BdA, der Gewerkschaften und der DKP. Danach folgte ein Gruppe von Schüler_innen aus Lüneburg und Celle. In der Mitte der Demo lief der Antifa-Block (u.a. auch mit Linksjugend [‚solid] Hannover), der über die Hälfte der Demo ausmachte. Dahinter dann noch eine Gruppe von Menschen aus Eschede, Faßberg, Hermannsburg, Lüneburg, Uelzen und Celle.
Auf zwei Zwischenkundgebungen sprachen ein Pastor aus Unterlüß, das Interventionistische Kollektiv Celle, die Schüler-innen gegen Rechts aus Lüneburg, eine Vertreterin der Mahnwache aus Faßberg und zwei Menschen aus Eschede. Auch wurde an Peter Deutschmann erinnert, der vor zehn Jahren von zwei Neonazis in Eschede tot geprügelt worden ist. Für ihn wurde eine Gedenktafel eingefordert. Die Demonstration endete nach zwei Stunden störungsfrei wieder am Bahnhof.
Bevor die ersten Demonstrant_innen am 19. Dezember überhaupt nach Eschede kamen, begann die Polizei mit ihrer Arbeit. Rund um den Bahnhofsvorplatz wurden Polizeieinheiten postiert, darunter auch die BFE-Einheit aus Braunschweig und ein Wasserwerfer. An der Straße die zum Nazitreffpunkt führt, wurden Kontrollstellen eingerichtet und sämtliche Autos angehalten. Dies hatte zur Folge, dass Demonstrationsteilnehmer_innen, die nach Eschede wollten, abgewiesen und kilometerlange Umwege in Kauf nehmen mussten. Übergänge über die Bahnlinie, die das Örtchen Eschede teilt, wurden ebenso überwacht, damit niemand in Richtung der Nazis gelangen konnte. Im Ort patrouillierten diverse Polizeifahrzeuge und im Umfeld des Nazitreffpunktes kam eine berittene Polizeieinheit zum Einsatz. An sämtlichen Ortszugängen standen dazu noch mehrere Polizeifahrzeuge und Polizeibeamte beobachteten den Verkehr.
Am Bahnhof wurde eine Kontrollstelle für Demonstrationsteilnehmer_innen eingerichtet, die mit dem Zug anreisen würden. Dafür wurden zahlreiche Hamburger Gitter aufgestellt, die einen größeren Bereich einzäunten. Am Versammlungsort der Bündnisdemonstration parkten mehrere Polizeifahrzeuge und mehrere Polizeibeamte hielten sich direkt auf dem Kundgebungsort auf. Die Polizei hatte vor der Demo angekündigt, dass sie „verdächtige Personen“ und Menschen, die „ihnen bekannt seien“, kontrollieren würden. Schnell stellte sich heraus, das sämtliche Personen kontrolliert werden sollten, die auf Grund ihres Äußeren (schwarze Bekleidungsgegenstände) aufgehalten und durchsucht wurden. Bei diesen Kontrollen mussten mehrere Menschen ihre Schuhe und Jacken ausziehen und einige sogar ihre Hosen öffnen. Von allen die dort durchsucht wurden, wurden die Personalien notiert.
Nach mehrmaliger Intervention gegen diese rechtswidrigen Polizeimaßnahmen und der Ankündigung mehrerer Betroffener, diese provokante Maßnahme nicht hinzunehmen, brach die Polizei die Kontrolle ab und ließ eine größere Gruppe durch. Während der Demo hielt sich die Polizei zurück und begleitete nur den Demonstrationszug. Der Antifa-Block wurde durch ein leichtes Spalier eingefasst. Auf Grund der Kälte tauschte die Einsatzleitung der Polizei ihre Kräfte regelmäßig aus.
Zur Naziveranstaltung reisten ab 16.30 Uhr rund 200 Nazis an. Nach Polizeiangaben waren auch fünf Kinder darunter. Im Gegensatz zur antifaschistischen Demonstration, verzichtete die Polizei bei den Nazis auf einen größeren Einsatz und umfangreiche Kontrollen. Die Fahrzeuge der Nazis wurden nur kurz in Augenschein genommen und nur gelegentlich mal ein Kofferraum durchsucht. Direkt am Hof Nahtz hielten sich nur wenige Polizeibeamte auf.
Als Fazit kann gezogen werden, dass es gelungen ist, diesmal mehr Menschen in die Demonstration einzubinden, die nicht den verschiedenen Antifa-Gruppen angehören. Dies hat zum Teil daran gelegen, dass die Demonstration als Bündnisdemonstration initiiert, verschiedene Gruppen daran beteiligt waren und vom DGB angemeldet wurde. Nach verschiedenen antifaschistischen Aktionen und Veranstaltungen im Landkreis Celle, vor allem die Mahnwachen in Fassberg, sind die Menschen stärker sensibilisiert gewesen und haben die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Naziaktivitäten erkannt. Durch eine gewachsene Zusammenarbeit, hat sich auch ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den verschiedenen Akteur_innen entwickelt.
Wieder nicht gelungen ist, vermehrt Menschen aus Eschede zu gewinnen. Dies liegt nicht nur am Desinteresse und dass mensch sich dort mit den Nazitreffen abgefunden hat, sondern auch an der Polizei. Diese wird nicht Müde vor jeder Demo in Eschede, vor antifaschistischen Gruppen zu warnen und ein Klima der Angst zu schüren. Auch einige politisch Verantwortliche im Landkreis Celle, wie der Landrat, machen als „Problem“ all jene aus, die nicht über die Nazitreffen schweigen, sondern sich dagegen engagieren wollen. Mit Vehemenz wird dabei versucht, die objektiven Differenzen zwischen „den Linken“ und „den Rechten“ zu nivellieren und vor angeblicher Gewalt von „Linksextremisten“ wird gewarnt. Dies gipfelt dann in der Forderung, gegen jeglichen Extremismus gleich stark vorzugehen. Damit wird rechte Gewalt und die Gefahr, die von den Nazitreffen auf Hof Nahtz ausgehen, verharmlost. …
Quelle: http://www.nahtzihofausmisten.tk mit redaktionellen Änderungen